Rezension

Nachdem der erste Band für mich eines der größten Überraschungs-Highlights dieses Jahres war, waren meine Erwartungen an den abschließenden zweiten Teil entsprechend hoch. Der Abschluss ist solide geraten, erreicht aber nicht ganz die – zugegeben sehr hohen – Erwartungen, die der Reihenauftakt geweckt hat.

Besonders gelungen finde ich weiterhin die moralische Grauzone, in der sich die Geschichte bewegt. Weder Hexen noch Rebellen nehmen eine eindeutig „gute“ Rolle ein, und das Buch zeigt überzeugend, dass ein gestürztes System nicht automatisch bedeutet, dass das Neue besser ist. Diese Ambivalenz ist für mich einer der stärksten Aspekte der Dilogie.

Auch das komplizierte Vertrauensverhältnis der beiden Hauptfiguren bleibt bestehen. Wie bereits in Band eins können sie sich nicht vollständig aufeinander verlassen und versuchen immer wieder, sich gegenseitig auszuspielen. Das sorgt dafür, dass das Erzähltempo gerade im ersten Drittel recht gemächlich ist. Viele Gedankenspiele, „Was wäre, wenn“-Szenarien und doppelt erklärte Pläne (auch zum Ende hin) bremsen die Handlung merklich aus.

In einer Situation gibt es eine „romantische“ Szene, in der die beiden Figuren echt dringend andere Dinge zu tun hätten und das bringt mich ehrlich gesagt immer etwas auf die Palme. Immerhin kommentiert die Protagonistin selbst, wie unpassend der Moment ist.
Auch der magischer Anteil bleibt hinter seinem Potenzial zurück. Über beide Bände hinweg kommen nur wenige verschiedene konkrete Zauber vor. Hier hätte ich mir mehr Vielfalt und Präsenz der Magie gewünscht.

Was mir jedoch sehr gut gefallen hat – auch wenn es nicht allen Lesenden gefallen dürfte –, ist die Entwicklung der Protagonistin. Sie startet als jemand, der die Situation meist unter Kontrolle hat und viel Mut beweist. In diesem Band wächst ihr die Lage jedoch über den Kopf, sie verliert zeitweise ihren Halt und zeigt Schwäche. Ich finde das erst einmal passend, mit allem was ihr in der Zwischenzeit passiert ist und auch für mich einleuchtender, als eine dauernd mutig-starke-visionäre Protagonistin.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn der finale Band für mich nicht das erhoffte fulminante Ende bietet. Den ersten Teil hätte ich bedenkenlos auch Lesenden empfohlen, die normalerweise keine Romantasy lesen; beim Abschlussband wäre ich damit vorsichtiger. Fans des Genres und der Reihe werden aber dennoch auf ihre Kosten kommen.

Inhalt

Rune ist auf der Flucht: Seit ihre wahre Identität als Hexe ans Licht gekommen ist, ist ihr Leben in Gefahr. Am meisten schmerzt der Verrat durch den Hexenjäger, der ihr Herz in Flammen gesetzt hat. Doch trotz allem, was zwischen ihnen steht, müssen Rune und Gideon erneut zusammenarbeiten, denn nur so können sie verhindern, dass eine alte Feindin die Macht ergreift. Und obwohl sie sich mit aller Kraft dagegen wehren, wird es immer schwerer, ihre wahren Gefühle füreinander zu unterdrücken …

Eckdaten:

GenreRomantasy
AlterAb 16 (spice)
BändeDilogie
SettingFiktive Fantasy Welt
ErzählerDritte Person, Dual POV
TropesEnemies to Lovers
DiversityLGBT und PoC Nebencharaktere

Für Fans von:

  • Romantasy
  • Enemies-to-Lovers
  • politischen Fantasyplots
  • Blutmagie-Systemen
  • Hexengeschichten
  • Heldinnen, die auch mal schwach sein dürfen

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