Rezension
Ich habe dieses Buch sehr gemocht. Gleichzeitig würde ich es nicht uneingeschränkt jeder Person empfehlen, auch wenn ich ihm von Herzen viele Leserinnen und Leser wünsche. Und ich würde es gerne jedem, der meint Bücher abseits der Mainstream Narrative würden nicht mehr geschrieben und veröffentlicht werden um die Ohren klatschen.
Trotzdem ist das Buch nicht für jeden.
Im Zentrum stehen Themen wie mentale Gesundheit, Anderssein, Emotionen und der Umgang mit ihnen. Der Text scheut sich nicht davor, empfindliche Stellen zu berühren und legt stellenweise sehr direkt den Finger in die Wunde. Dabei werden Mental Health und Neurodivergenz weder romantisiert noch als bloßes erzählerisches Werkzeug behandelt. Sie sind hier keine Superkraft und kein dramatischer Plot Point, sondern etwas Vielschichtiges, das das Leben manchmal erleichtert und oft deutlich schwerer macht. Zwischen traurigen Momenten und schmerzhaften Erkenntnissen finden sich immer wieder hoffnungsvolle Gedanken, die mir noch lange im Kopf herum geschwirrt sind.
Die Erzählweise ist bewusst ruhig und langsam. Wer sehr temporeiche Geschichten gewohnt ist, besonders aus der Urban Fantasy, könnte zunächst überrascht sein. Viel Raum nimmt der innere Monolog ein. Violet denkt nach, zweifelt, wägt Möglichkeiten ab und korrigiert sich selbst immer wieder. Das Buch nimmt sich Zeit und erwartet diese Zeit auch von seinen Lesenden. Der Fall passiert gefühlt eher so nebenher und nimmt erst gegen Ende richtig an Fahrt auf.
Trotz des poppigen Covers und der Erwartungen, die man durch andere Werke des Autors vielleicht mitbringt, ist diese Geschichte deutlich weniger humorvoll als vermutet. Das ist sowohl im Marketing des Buches erwähnt als auch auf den ersten Seiten im Intro des Autors, also keine Überraschung.
RICHTIG lustig sind dagegen die Kapitelüberschriften. Ich weiß dass viele diese nicht so bewusst lesen, aber hier würdet ihr etwas verpassen.
Besonders begeistert haben mich die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Es tut einfach gut zu lesen, wie sie einander unterstützen, auffangen und guttun. Spannende Dynamik entsteht hier nicht durch toxische Beziehungen oder einen absichtlich schwierigen Love Interest, sondern gerade durch Fürsorge und emotionale Ehrlichkeit. Ein kleines zusätzliches Highlight ist der Love Interest selbst, der nicht dem üblichen Ideal des makellosen Muskelpakets entspricht. Ein Charakter mit Dad Bod ist selten genug vertreten und macht die Geschichte auf eine sehr sympathische Weise noch ein Stück vielfältiger.
Die Geschichte spielt im gleichen Universum wie „Mona“, aber bis hin zu einer Anspielung am Ende bleibt sie davon losgelöst; man braucht also weder die Mona Trilogie noch den Boris Einzelband gelesen haben. Apropos Anspielungen: Wie auch bereits bei Mona gibt es einige Nerd-Anspielungen, wie z.B. zu Doctor Who (was ich immer sehr feiere).
Am Schluss gibt es noch ein paar Comic-Seiten. Ich finde das ja super, weil man dann genau weiß wie der Autor sich die Charaktere bzw. bestimmte Szenen vorgestellt hat. (und diejenigen die das nicht mögen und sich lieber eigene Vorstellungen machen, können das ja überblättern)
„Violet“ ist keine leichte, schnelle Wohlfühllektüre, auch wenn es zwischendurch Wärme und Hoffnung schenkt. Es fordert Aufmerksamkeit und emotionale Offenheit. Wer sich auf eine ruhige, intensive Geschichte über Gefühle, Identität, psychische Gesundheit und zwischenmenschliche Nähe einlassen möchte, könnte hier jedoch etwas sehr Besonderes finden.
Vielen Dank an den Verlag und den Autor für die Bloggerbox und das kostenlose Rezensionsexemplar.
Inhalt
Berlin versinkt im Verborgenen in Untoten, während der magische Notdienst kollabiert. Die Hexe Violet steht kurz vor dem Burn-out: Zwischen Notfällen und ihrem Job als Betreuerin hat sie ihre Grenzen längst überschritten.
Als sie endlich an sich denken will, gerät das Leben ihrer besten Freundin in Gefahr. Aus Verzweiflung schließt Violet einen verbotenen Pakt mit dem Totengott Thanatos. Während sie versucht, ihre Freundin zu retten, eskaliert die Untotenplage. Vielleicht ist ausgerechnet dieser gefährliche Bund die letzte Hoffnung für Berlin – doch jeder Pakt hat seinen Preis.
Eckdaten:
| Genre | Urban Fantasy |
| Alter | Erwachsene |
| Bände | Geplante Dilogie |
| Setting | Magisches Berlin |
| Erzähler | Personaler Erzähler |
| Tropes | Deal with the Devil, Found Family |
| Diversity | Casual Queerness, Mental Health, Neurodivergenz |
Für Fans von:
- Dem “Mona”-Universum
- Mental Health in Fantasy
- Langsamen Erzählstilen
- Urban Fantasy mit Gefühl
- komplexen Figuren
- emotionalen Innensichten
- untoxischen Beziehungen
- Berlin als Fantasy Location
