Heute haben wir @melanievogltanz dabei. Melanie hat mit „Wolfswille“ ein spannendes Buch um den Werwolf Alfio herausgebracht. Band 2 soll dieses Jahr noch veröffentlicht werden und @lichti_liest wartet gespannt darauf.

Herausragend bei Melanies Büchern sind übrigens die #queeren Repräsentation. Denn in ihren Büchern finden wir auch Repräsentation von Demisexualität und Aromantik.

Band 2 hat noch keinen Termin, also habt ihr noch genügend Zeit, mit Band 1 anzufangen und aufzuholen. 😁

Jetzt erstmal viel Spaß mit den Fragen und Antworten. Danke an Melanie, dass sie sich die Zeit genommen hat!

Wie ist die Idee für dein aktuelles Projekt entstanden?

Rückblickend kann ich das gar nicht so genau festmachen, zumindest, wenn wir nur über Band 2
sprechen. Die Frage für die „Weißer Wolf“-Reihe allgemein beantworten, fällt mir schon etwas
leichter. Der Protagonist Alfio hatte seinen ersten Aufritt im letzten Band der Trilogie „Schwarzes
Blut“, und er hat mich noch nach Abschluss des Buches so intensiv beschäftigt, dass ich ihm ein
eigenes Spin-off spendieren musste. Das war eine dieser Figuren, die so laut sind, dass man ihnen als
Autor*in zuhören muss. Dabei wollte ich mich immer weiter in die Moderne vortasten und ihn in
eine Welt schicken, die sich durch zunehmende Industrialisierung und soziokulturellen Entwicklungen
rasend schnell verändert. Durch seinen Blickwinkel ergibt sich dadurch auch oft ein Spiegel auf die
Probleme und Herausforderungen in unserer Zeit, was für mich einen großen Reiz beim Schreiben
seiner Geschichten ausmacht.

Gibt es eine Szene oder ein Charakter, der dir dabei besonders an Herzen liegt?

In der Ursprungsfassung des Buches hat das „Dark“ in Dark Fantasy eindeutig überwogen, in der
Überarbeitung für die Neuauflage wollte und musste ich hier ein paar Dinge anders machen. Mir ist
in den vergangenen Jahren immer stärker bewusst geworden, dass ich in einer Geschichte auch die
Lichtblicke und schönen Momente brauche, damit sie sich komplett anfühlt. Und auch Lesende
brauchen das aktuell dringend. Eine der Figuren, die davon am meisten profitiert hat und die mir
dabei noch stärker ans Herz gewachsen ist, ist Esteban, der in New Orleans Alfios Arbeitgeber ist,
aber ihm auch eine Menge über den Struggle und den Joy der queeren Community dieser Zeit
beibringt. Eine Schlüsselszene, die mir hier viel bedeutet, auch wenn sie auf den ersten Blick so banal
und nebensächlich erscheint, ist eine Tanzszene zwischen den beiden. In Alfios Leben war so wenig
Platz für Glücksmomente, aber das ist einer davon, und ich finde ihn unheimlich wichtig. Egal, wie
düster es auch sonst aussehen mag – ein Lied lang, einen Tanz lang, kann die Welt wieder in Ordnung
sein.

Was war/ist die größte Herausforderung beim Schreiben?

In diesem Buch, sensibel mit den historischen Aspekten des Settings umgehen. Eine Balance finden
zwischen dem Verarbeiten historischer Fakten und Rücksicht auf die Lesenden. Das Buch enthält
einige Themen, die Fingerspitzengefühl und Behutsamkeit erfordern (z.B. queerfeindliche Gesetze,
aber auch Polizeigewalt und Segregation), die ich aber für dieses konkrete Buch nicht ausblenden
wollte. Auch wenn ich sehr lange darüber nachgedacht habe, es zu tun. Ich glaube allerdings, dass es
jetzt wichtiger denn je ist, diese Themen anzusprechen und uns vor Augen zu führen, wie viel wir an
Rechten gewonnen haben und wie viel zurzeit auf dem Spiel steht. Aber das sollte und muss mit
Empathie und Behutsamkeit umgesetzt werden – und mit einem Silberstreif am Horizont.

Hast du eine bestimmte Routine beim Schreiben?

Früher war das definitiv das Schreiben im Zug (oder im Pausenraum, oder zwischen Elterngesprächen
…). Seit ich selbstständig bin und von zu Hause aus arbeite, ist das weggefallen. Mittlerweile ist die
Routine eher „kopfüber in ein Manuskript reinfallen, für ein paar Monate absolut keine Work-Life-
Balance kennen und das Buch und alles drum herum zu meiner kompletten Persönlichkeit machen“.
Zählt das? 😀

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